Heimatverein Eystrup Grafschaft Hoya e.V.

Geschichtsträchtige Orte uns Sehnswürdigkeit in Eystrup

Station 7
Zwillingslinde

Wahrzeichen im Wandel

Hier stand bis zum 28.2.2012 die alte Eystruper Zwillingslinde, Wahrzeichen des Ortes.

Der Oldenburger Geheime Oberjustizrat a. D. Wilhelm Lehmann erinnert sich, dass sein Vater, Rittmeister Friedrich Lehmann, am Beginn des 19. Jahrhunderts einen doppelstämmigen Lindenschössling auf dem alten Dorfanger, dem Bauernbrink, zur Verschönerung des Platzes, als Wetterschutz und Symbol für seine Zwillingssöhne Wilhelm und Adolph gepflanzt habe.

Zwillingslinde
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Stellvertretend für die Zwillingslinde zieren zwei Lindenblätter das Ortswappen der Gemeinde Eystrup.

Mehr als zweihundert Jahre, so darf als gesichert gelten, stand die Zwillingslinde auf dem Rondell in der nach ihr benannten Straße, und zwar dort, wo die Bäckerstraße die westliche Grenze des Straßenzuges bildet.

Generationen von Kindern haben im Schatten der Krone gespielt, ihre Eltern und Großeltern kamen dort zum Gespräch zusammen und besonders in ihren letzten Lebensjahren blickte die Linde auf manches Dorffest, die sog. Lindenfeste, unter ihrem Laubdach herab.

Zwillingslinde

Doch Wetter und Pilzbefall im Alter hatten dem Zwillingsstamm dermaßen zugesetzt, dass auch baumchirurgische Kunstgriffe nicht mehr halfen.

Da die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet werden konnte, ließ die Gemeinde Eystrup schweren Herzens die Motorsägen anrücken.

Am 28. Februar 2012 wurde unter reger Anteilnahme der Bevölkerung die alte Zwillingslinde gefällt und samt Wurzeln entfernt, um den Boden für die Pflanzung einer „neuen“ Zwillingslinde auszutauschen.

Zwillingslinde

Aus den Lebenserinnerungen des Oldenburger Geheimen Oberjustizrats Wilhelm Lehmann (geb. Eystrup 1802) ist zu entnehmen, dass sein Vater, der Rittermeister im Herzoglich Oldenburgischen Dragonerkorps, Friedrich Lehmann, die Linde einst gepflanzt habe.

Lassen wir ihn selbst zu Worte kommen:

„Zwischen der damaligen Brandstätte (aus dem Jahre 1804) und unserem Hofe ist ein Rasenplatz gelegen, der als Bauernbrink bezeichnet wurde und zu den gewöhnlichen Dorfversammlungen benutzt wurde.

Zwillingslinde

Mein Vater, der als Meierhofbesitzer wechselweise das Amt des Bauermeisters wahrzunehmen und alsdann die Bürgen zu Versammlungen zu berufen hatte, hatte als solcher auch öfters Geschäfte im Bruche, d. h. in dem Gemeindewalde, und bei einer solchen Gelegenheit brachte er daraus einen jungen doppelten Lindenstämmling mit, nicht größer und stärker, als mein Vater ihn bequem in der Hand nach Hause tragen konnte.

Dieses Doppelstämmchen aus gemeinsamer Wurzel entsprossen, pflanzte er dann mitten auf den erwähnten Brink, um für die Dorfversammlungen einen Schutz und für den Platz einen Schmuck zu erzielen, er hat bei der Auswahl des Pflänzlings aber auch an seine jungen Zwillinge gedacht, deren Symbol der Baum sein sollte, sonst hätte er zweckmäßiger wohl einen stärkeren einstämmigen Baum gewählt.

Der Baum ist mächtig gewachsen und ist jetzt mit seiner breiten Doppelkrone eine Zierde des Dorfes."

Quelle:
„Staats- und Adresshandbuch des Teutschen Bundes – Staaten für das Jahr 1816 im Verlag des Landes-Industrie-Comptoirs Weimar 1817: S. 418 – Rittmeister Lehmann, S. 419 – Joh. H. Fried. Lehmann als Rittmeister der Dragonerbrigade.
Zwillingslinde

Seit Dezember 2012 wächst dort wieder ein Jungbaum, der die Aufgabe seines Vorgängers bei Zeiten übernehmen soll.

Zwillingslinde
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