Heimatverein Eystrup Grafschaft Hoya e.V.

Geschichtsträchtige Orte uns Sehnswürdigkeit in Eystrup

Station 14
Ev.-luth. Willehadikirche

Seit 1179 amtlich: die Pfarrkirche in Eystrup

In einer Urkunde von 1179 n. Ch. bestätigt der Papst Alexander dem Stifte Stefani und Willehadi zu Bremen alle seine Rechte, namentlich auch den Besitz seiner in der Grafschaft Hoya gelegenen Kirchen und Güter.
„ecclesiam parrochialem Estorp cum decimis et aliis pertinentis“
Gegeben im Lataran, 29. Mai 1179.

Über die Entstehung der Kirche sind leider keine Einzelheiten bekannt.

In einem alten Kirchenbuch von 1709 steht geschrieben:
„Wer namentlich die Kirche zu Eystrup fundieret, auch was derselben für ein Name bei der Gründung und Einweihung gegeben worden, davon hat man, weil das Messbuch in Kriegszeiten (30j. Krieg) verloren, keine Nachricht haben können.“
Kirchengründung, Patrozinium (Schutzherrschaft eines Patrons oder einer Patronin, denen eine Kirche unterstellt wird) und Einweihung waren also schon damals nicht bekannt.

Ev.-luth. Willehadikirche

Da die Kirchengemeinde aufgrund der Erwähnung in der Urkunde von einer vermutlichen Gründung von Bremen ausging, erfolgte 1961 die Namensgebung nach dem ersten Bremer Bischof Willehad.

Missionsbischof St. Willehad kam 770 n. Chr. als Missionar aus Nordengland zu den Friesen und den Sachsen.

Während des Sachsenaufstandes pilgerte er nach Rom. 787 erhielt er die Bischofsweihe.

Willehad führte in unserem Gebiet seine Missionsarbeit fort.

Er starb am 8.November 789 in Blexen, heute Nordenham, und wurde in Bremen beigesetzt.

Ev.-luth. Willehadikirche

Eystrup, eines der ältesten Dörfer der Grafschaft Hoya, damals Estorpe oder Estorp geschrieben, taucht 1025 n. Ch. in Aufzeichnungen von Einkünften der Kirche in Wietzen auf.

Die Kirche steht am Geestrand des Wesertals auf einer Sanddüne.

Von hier hat man einen weiten Blick zu den Kirchen in Hoya und Bücken.

Die Kirchenstandorte wurden in unserer Gegend im Zickzack angelegt, so dass man von der einen Kirche zu den anderen den betreffenden Weserraum überblicken konnte.

Den eigentümlichen Standort der Kirche versucht der Volksmund so zu deuten:

Die Knechte des Siebenmeierhofes in Mahlen (der Hof gehörte zum Stift in Bücken) sammelten Steine für einen Kirchenbau in Mahlen.

Die Knechte des Rittergutes sammelten ebenfalls Steine für einen Kirchenbau in Eystrup.

In einer Nacht stahlen die Knechte des Rittergutes die gesammelten Steine in Mahlen und brachten sie zum Rittergut.

Somit fand die Kirche neben dem Gut ihren Platz. Vermutlich haben die Besitzer des Gutes den Standort der Kirche bestimmt.

Ev.-luth. Willehadikirche

Baustil: Im Kern ein romanischer Bau

Laut "Dehio" (bekanntes Denkmalsverzeichnis) gehört die Kirche zu norddeutschen Kunstdenkmälern (Romanik 11.Jh. - 13.Jh.) Halbkreis Tonnengewölbe,
starke Mauern, wuchtiger Innenraum,
farbig bemalt,
im Osten Altar,
im Westen Turm,
Vorraum für Pilgerer und nicht Getaufte.

Vorgängerin:
kreuzförmige Basilika, mit flacher Holzdecke.

Größe:
64 Fuß (ca. 19,5 m) lang,
24 Fuß (ca. 7,3 m) breit,
30 Fuß (ca. 9,1 m) hoch
einschiffiges Längshaus,
Wände aus dem 1500 Jh.

Der eindrucksvolle Westturm aus Raseneisenstein, und Sandstein ist mit den eingefügten Lichtschlitzen der älteste Teil. Ein Göttinger Historiker legt die Bauzeit in die Periode Heinrichs des Löwen (1266–1329).

Ev.-luth. Willehadikirche

Damals brachten Schiffe die Steine von Oberkirchen auf der Weser stromabwärts bis nach Bremen.

Auf diesem Wasserwege gelangten auch gekuppelte, rundbögige Sandstein-Schallarkaden nach Eystrup.
Der Pyramidenhelm des Turmes und das Dach des Hauptschiffes wurden in alter Form der "Mönch und Nonne" Deckung ausgeführt.

Alten Bauzeichnungen zu Folge wurde das Kirchenschiff um ein Drittel erweitert.

Die heutige äußerliche Gestalt erlangte die Kirche im wesentlichen 1752-1757.

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Ev.-luth. Willehadikirche

Glocken
Aufzeichnungen im Nienburger Archiv besagen, dass Graf von Tilly (oberster Heerführer der katholischen Liga) 1627 während des 30 jährigen Krieges die Glocken habe stehlen lassen.

Der damalige Besitzer des benachbarten Rittergutes, Johann von Fulde, stiftete im Jahre 1630 eine neue Bronzeglocke.

Im Laufe der Jahrhunderte mussten die Glocken erneuert werden.

Heute läuten zwei große Glocken (24 Ztr. und 48 Ztr.)

Eine davon stiftete 1925 der Bremer Bankier August Strube.

Weil die andere Glocke so stark beschädigt war, dass sie nicht mehr repariert werden konnte, schaffte die Kirchengemeinde 1925 eine weitere neue Glocke an.

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Die Glocke trägt die Inschrift:
„IN ERNSTER ZEIT
DEM HERRN GEWEIHT
UNS ZUR SELIGKEIT
1925"
Ev.-luth. Willehadikirche

Innenraum:
Im Turmraum befinden sich ein Kreuzgewölbe mit einem Schlußstein, der mit einem Handwerkerzeichen verziert ist, und ein großes Westfenster aus dem 15 Jh.

Der Turmraum öffnet sich mit einem Rundbogen zu einem romanischen Saal mit einem hölzernen Tonnengewölbe und doppelstöckigen Emporen im Barockstil.

Durch Bankreihen, z. T. mit Namen versehen, führt der Mittelgang von Westen nach Osten zum Kanzelaltar.

Die wesentliche Umgestaltung des Gebäudes erfolgte in den Jahren von
1752 -1757.

Laut Bauzeichnungen wurde das mit Strebepfeilern versehene Schiff um ein Drittel verlängert und barock umgestaltet.

Hohe korbbogenförmige Fenster spendeten mehr Licht, und die doppelstöckigen Emporen bis in den Altarraum boten mehr Platz für die wachsende Kirchengemeinde.

Die Emporen erreichte man über die Aussenaufgänge auf der Nord- und Südseite des Längsschiffes.

Am letzten Tag des Umbaus verstarb der langjährige Pastor Cellarius. Er wurde noch am gleichen Tag im Turm beigesetzt.

Ev.-luth. Willehadikirche

Kanzelaltar:
Wegen der Enge im Chorraum wurde 1759 ein Kanzelaltar ("DasWort steht über allem.") aufgebaut.

Der hannoversche Hofbildbauer Ziesenies gestaltete den Altar, der vom Tischler Lauber und vom Maler Thilo ausgeführt wurde.

Der Altar ist im Rokoko Stil mit Kniebänken, beiderseitigen Säulen, Kanzelkorb, ein vom Strahlenkranz umgebenes Dreieck mit dem Auge Gottes und einem Altarbild, das die Kreuzigung darstellt, ausgestattet.

Auf dem Altartisch stehen zwei im Jahr 1628 gestiftete Bronzeleuchter und ein Altarkreuz, das von Konfirmanden der Jahrgänge von 1894 -1901 gespendet wurde.

Zwei Abendsmahlkelche und eine Hostiendose aus dem 18.Jh.werden noch heute bei Abendsmahlfeiern benutzt.

Ev.-luth. Willehadikirche

Taufstein:
Er trägt mit barocken Verzierungen und einem hölzernen Deckel versehen, die Jahreszahl 1599.

Opferstock:
Schwere Eisenbändern und ein Schloss kennzeichnen diesen alten "Gotteskasten", auf dessen Vorderseite die Jahreszahl 1617 eingraviert ist.
Er war Zeuge der Kirchenplünderungen durch Tillys Soldaten im 30j. Krieg.


Ev.-luth. Willehadikirche

Das rechte Bild hat die Künstlerin Nelly Cunow-Detjen auf Leinwand gemalt.
Es zeigt die Kreuzigung Jesus.

200 Jahre blieb die Kirche größtenteils unverändert.

1900 wurde eine Heizung eingebaut, da der Gemeinde das Mitbringen von Wärmesteinen lästig wurde.

Ev.-luth. Willehadikirche

1957/1958 erfolgte eine weitere große Renovierung und Veränderung.

Die vom Bremer Bankier August Strube gestifteten farbigen, mit christlichen Symbolen versehenen Ostfenster wurden an die Nordseite versetzt und eine Aussentür eingebaut.

Der damalige Eystruper Pastor Helmut Klenke ließ die nunmehr leeren Fensteröffnungen zumauern.

Entfernt wurden auch die Emporen im Chorraum und im Turm.

Gleichzeitig ändete man die Anordnung der Kirchenbänke:. Der alte Mittelgang entfiel zu Gunsten zweier neuer Seitengänge.

Ev.-luth. Willehadikirche

Orgel:
1961 bekam die Kirche eine neue Orgel.

Diese Pfeifenorgel wurde von Paul Ott, Göttingen, nach Vorstellungen des damaligen Organisten (Helmut Kahle) gebaut.

Sie umfasst 1528 Pfeifen in 23 Registern.

Die Orgel hat eine besonders gute Klangfolge mit flirrenden Tönen.

Die obertönig angelegte Dispositionsgestaltung ist von neobarocken Prinzipien geprägt.

Aufgrund des hervorragenden Erhaltungszustandes und der künstlerischen rsp. geschichtlichen Bedeutung hat die Orgel einen eigenständigen Denkmalswert.

Ev.-luth. Willehadikirche
Bauplan der Orgel von 1959

Bei der Renovierung 1988 schob man die Sitzreihen auseinander und richtete den Mittelgang wieder ein.

2016 wurden auch die alten Fenster in der Ostwand wieder geöffnet und die neuen Glasfenster in Schwarzlotmalerei vom Künstler Lukas Derow gestaltet.

Die Motive seiner Gestaltung nehmen Bezug auf Ostern und Pfingsten.

Die inzwischen geschaffene "Stille Ecke" lädt zur Besinnung.

Von Ostern bis zum Erntedank ist die Kirche sonntags von 15.00 Uhr bis 17.00Uhr zur Besichtigung sowie zur inneren Einkehr geöffnet.

Quellen:
Archiv Kirche Eystrup
Chronik: "Eystrup - ein Dorf im Wandel"

Ev.-luth. Willehadikirche

Die Eystruper Pastorenchronik

Pastor Joachim Christopf Cellarius führte als erster in seinem Parrlagerbuch von 1709 die Abfolge der Eystruper Pastoren auf.

Ev.-luth. Willehadikirche

1.
Siegfried Ziegler
(1536-1576)

2.
Christian Schlüter
(1577-1620)

3.
Bernhard Sölter
(1620-1627)

4.
Baltasar Schlede
(1627-1674)

5.
Christoph Schröder
(1674-1708)

6.
Joachim Christopf Cellarius
(1709-1752)

7.
Johann Heinrich Kuhls
(1709-1752)

8.
Gerhard August Trauernicht
(1763-1767)

9.
Baltasar Ludewig Tschorn
(1767-1800)

10.
Johann Christopf Etzendorf
(1801-1820)

11.
Justus Wilhelm Dannemann
(1820-1854)

12.
Carl Auguste Braeß
(1855-1870)

13.
Carl Julius Ausgut Wilhelm Nordmann
(1871-1881)

14.
Johann Konrad Eduard Denkert
(1882-1887)

15.

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Heinrich Friedrich Ludwig Gebers
(188-1916)

16.

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Hermann Heinrich Wilhelm Menke
(1917-1934)

17.

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Theodor Ferdinand Helmut Klenke
(1934-1965)

18.
Jörg Konrad Dietrich Rannenberg
(1967-1974)

19.
Hans Adolf Vespermann

(1975-1980)

20.
Werner Musiol
(1982-20xx)

21.
Dr. Thies Jarecki

  (ab 2011)

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