Heimatverein Eystrup Grafschaft Hoya e.V.

Rittergut Eystrup

Rittergut Eystrup

Das ehemals „freie adelige Rittergut“ gehört zu der ältesten Ansiedlungen in der ehemaligen Grafschaft Hoya.

Dieses landwirtschaftliche Anwesen befindet sich direkt neben der 1179 in einer päpstlichen Urkunde erwähnten Parochialkirche Eystrup.

Das Gut liegt auf der Geestkante zur Marsch.

Eine Straße führt von Osten her durch einen Buchenwald zu der hufeisenförmigen Hofanlage.

Südwestlich des alten Adelssitzes grenzt die Wesermarsch mit Felder, Viehweiden und einem See (ein Relikt eines alten Weserarmes) an den Betrieb.

Rittergut-Eystrup

Der Ursprung der Rittergüter liegt im frühen Mittelalter.

Die Landesherren brauchten zur Sicherung ihrer Territorien oder auch zur Heerfolge Dienstmannen.

Diese erhielten für ihre Verpflichtungen gegenüber ihrer Herrschaft Höfe zu vererbbaren Lehen.

Hieraus entwickelte sich im Laufe der Zeit das Rittertum.

Der Ritterstand wurde eine sehr wichtige Stütze der Landesherren und erhielt daher immer mehr Privilegien.

Ursprünglich unfreier Familien, konnten sich als Dienstmannen („Ministeriale“) durch kriegerische oder administrative Fähigkeiten auszeichnen und so in den Adelsstand aufgenommen werden.


Rittergut-Eystrup

Aus ihnen bildelte sich in der Folgezeit der niedere Adel.

Über die Entstehung des Eystruper Rittergutes liegt nur geringes Qullenmaterial vor.

Im 14.Jh. wird ein Haupthof (curia) in der Nähe der Kirche erwähnt.

Ob damit das Rittergut gemeint ist bleibt fraglich.

Im Jahre 1576 wird Johann von Fulde als Besitzer genannt.

Sein Nachfahre, Friedrich von Fulde (Fulle), Herr zu Eystrup und Stockum, heiratet 1578 Agnesa von Langen.

Der Erbe Friedrichs geb.1592, gestorben 1663 in Eystrup, war Drost zu Wölpe und Steyerberg und Hoyascher Schatzrat.

Rittergut-Eystrup

In 1. Ehe war er mit Anna von Reden (geb.1580, gest. 1626) verheiratet.

Eines ihrer Kinder verstarb 1621 kurz nach der Geburt.

Rittergut Eystrup

Die Grabplatte dieses Kind ist noch heute auf dem Eystruper Friedhof zu finden.

In 2. Ehe heiratet Friedrich von Fulde Margarethe Sophie von Münchhausen, Erbin von Gut Renzelfelde, und Tochter von Stacius von Münchhausen und seiner Frau Agnesa von Ripperda.

Margarethe Sophie von Fulde verstarb 1647 in Eystrup, ihr Ehemann Friedrich am 24.10.1663.

Rittergut-Eystrup

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Margrethe Sophies imposante Grabplatte (mit den Namen“ Sopffia und Friderich“ sowie dem Wappen von Münchhausen) befindet sich noch heute im Wohnhauses auf dem Rittergut.

Rittergut Eystrup
Rittergut-Eystrup

Aufzeichnungen im Nienburger Archiv besagen, dass Graf von Tilly (oberster Heerführer der katholischen Liga) 1627, während des 30 jährigen Krieges, habe Glocken stehlen lassen. Der damalige Besitzer des benachbarten Rittergutes, Johann von Fulde, stiftete im Jahre 1630 eine neue Bronzeglocke.

Friedrich von Fuldes Erbtochter, Margarethe Amalie, heiratete 1675 den Uchter Drosten Philip Friedrich von Pretlag (Pretlach).

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Von Pretlach war von 1677 -1697 Kanonikus (Mitglied eines Stifts- oder Domkapitels) des Stifts Bassum.

Gemeinsam hatten sie 14 Kinder.

1687 verkauft von Pretlag das adelig freie Rittergut und den Sattelhof an den Kammerjunker und Hofmeister Johann Casper von Becquer (1641 -1716) und seine Frau Anna Hedwig von Freitag,die vom Rittergut Estorf stammt.

Der Erbe Johann Christian von Becquer (1688-1725) heiratete nacheinander zwei Schwestern aus der Familie Bothmer.

Als Johann Christian von Becquer verstarb, war sein Nachfolger Johann Albrecht (1718-1792) noch minderjährig.

Später war er in der Grafschaft Hoya als Land- und Schatzrat tätig.

Rittergut-Eystrup

Das heutige Herrenhaus wurde vermutlich zu  Lebzeizen J. C. v. Bequer errichtet.

In einem Dokument von 1764 ist festgehalten, dass er einem seiner Arbeiter auf dem adelig freien Grund und Boden einen Wohnplatz überläßt.

Außerdem räumt er demselben von seinem in der hiesigen Kirche nahe an dem Thurm belegenen "Domestiquen Ständen" einen Mannesplatz ein, desweiteren einen Platz zum Begräbnis, in dem die "Domestiquen" begraben werden. Außerdem verspricht er ihm, ihn und seine Nachkommen zu schützen.

Im Gegenzug gelobt der Arbeiter Treue und Gehorsam gegenüber der Herrschaft, desgleichen seine Brinkköthe in einem guten Zustand zu erhalten, pünktlich seinen Zins zu zahlen und wöchentlich einen Tag mit der Hand zu dienen.

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Die nachfolgende Erbin Christiane Auguste (1793-1830) heiratete schon mit 17 Jahren den Amtmann Eberhard Cornelius Schütt von Schüttorf.

Dieser verkaufte das Rittergut 1830 für 4500 Thaler an den Geheimrat Carl Edmund Friedrich von Münchhausen.

Dessen Sohn, Alexander von Münchhausen, Erbherr von Apelern, 1847 Staatminister und 1850-1851 als letzter Ministerpräsident des Königs Ernst August von Hannover (1771-1851) verkaufte das Anwesen um 1850 an den Oberst August von Hugo.

1862 veräusserte von Hugo das Gut mit allen dazu gehörigen Ländereien, Wäldern und einem Landhaus - der späteren Villa Strube - an den Bremer Kaufmann und Bankier Auguste Schröder.

Um 1880 geriet das Handelshaus Schröder gegenüber der Konkurrenz in Schwierigkeiten und wurde schließlich liquidiert.

Das Rittergut samt Villa wurden 1882 zwangsversteigert.

Es gelang August Schröders Schwiegersohn, dem Augenarzt Dr. Georg Strube und dessen Bruder Leopold (Leo), das Gut zu ersteigern.

Rittergut Eystrup

1895 wird es von der Familie Strube an den aus Barme stammenden Vollmeyer Wilhelm Meyer verkauft.

Über mehrere Generationen bewirtschaftete die Familie Meyer das Rittergut, bis es Ende 1975 an die aus dem Rheinland stammende Familie Herberg verkauft wurde.

Quelle:
Neubert-Preine, Norbert: Rittergüter der Hoya-Diepholz´schen Landschaft
Herausgeber: Hoya-Diepholz’sche Landschaft, Leinstraße 4, 31582 Nienburg. 2006
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